Samstag, 4. September 2010

Donnerstag, 2. September 2010

Religion

Religion ist die Verankerung symbolischer Ordnungen in der Psyche. Symbolische Ordnungen repräsentieren politische Ordnungen, zum Beispiel Verhältnisse zwischen Personen und Personengruppen. Diese Verankerung in der Psyche eines Menschen stabilisiert diese Ordnungen und bindet ihn an sie. Gleichzeitig weist sie dem Individuum einen Platz in der Ordnung zu, in einer Hierarchie zum Beispiel einen Platz weiter oben oder unten. Ordnungen können lineare, hierarchische oder vernetzte Muster bilden.

Die patriarchalen Religionen beispielsweise bilden hierarchische Ordnungen mit Vätern an der Spitze ab. Söhne werden in dieser Ordnung von den Vätern geopfert. Eine mögliche Wirkung dieser Ordnung ist das soldatische Heldentum, die Opferung von Söhnen im Krieg zum Machterhalt und zur Vergrößerung des Machtbereichs der Väter.
Die patriarchalen Hierarchien weisen Müttern eine Rolle als Besitz der Väter zu, was diesen die Kontrolle über ihren Nachwuchs ermöglichen soll. Eine Folge dieser Ordnung ist die Spaltung weiblicher Muster in die sexuell aktive weibliche Kinderlose und die marienhaft asexuelle aseptische Mutter.

Die Verankerung der symbolischen Ordnungen erfolgt durch Mythen, Bilder und Rituale, die den Kindern schon in der Früherziehung nahegebracht werden, in der modernen Gesellschaft beispielsweise durch Fernsehprogramme, in früheren über Märchen, Geschichten, Lieder und Gedichte. Die subtilste und gleichzeitigt wichtigste Verankerungswirkung hat die Sprache selbst. So können Machtverhältnisse unsichtbar gemacht werden, Personengruppen unsichtbar gemacht werden ("der" Mensch) und Alternativen zu bestehenden Ordnungen unsichtbar gemacht werden, indem sie tot geschwiegen werden.

Wenn wir heute andere Verhältnisse etablieren wollen, beispielsweise vernetzte Strukturen in flachen kooperierenden Hierarchien, kommen wir nicht darum herum, für diese auch symbolische Ordnungen zu formulieren, zu benennen und zu beschreiben. Vorbilder finden sich in so genannten matriarchalen Kulturen, wie beispielsweise sie Hannelore hier gesammelt und beschrieben hat.
Wichtig ist auch, entsprechende Sprachmuster, Bilder, Mythen, Rituale ... zu finden, die uns ermöglichen, unsere Psyche in diese Ordnungen einzubinden. Ein einigermaßen allgemeinverständlicher Ansatz zum Begriff "Symbolische Ordnung" findet sich bei Antje hier, Texte zum religiösen Aspekt finden sich bei Jutta Voss oder Gerda Weiler.

Mit den Mitteln der Rebellion ("Kampf gegen") oder Ignoranz ("Atheismus") stellen wir bestehende Ordnungen nicht in Frage, sondern stärken sie indirekt, weil wir ihre symbolischen Ordnungen in unserer Psyche anerkennen und nicht durch unsere ersetzen.

Wir begehren heute den Paradigmenwechsel. Erreichen werden wir ihn, wenn wir Religion, wenn wir unsere symbolischen Ordnungen, nach unseren Zielen gestalten. Wirkung ist die Vereinigung unserer psychischen Energien, in eine zielgerichtete Kraft der Veränderung hin zu einer neuen politischen Ordnung.

[Ergänzung 3/2015: GOTT DIE MUTTER - eine alternative symbolische Ordnung, eine Kreation von Kirsten Armbruster]

Montag, 30. August 2010

Sonntag, 29. August 2010

Parabolrinnen

Glückwunsch: 50. Sommer hinter mir, kehren.

Sommer ist hier noch zirpen Grillen im Sonnenuntergang rascheln Birkenblätter im Wind beschatten die Wiese. Ein bisschen zieht Kälte schon ein später am Abend frösteln die Lenden die Knöchel. Halbzeit längst vorüber. Wieviele Tage bleiben? Noch ist das Leben schön draußen, in den Wäldern, vorige Woche schwamm ich im See, liebte im Freien. Wandern will ich, die Zeit. War mal wieder im Ausland, komm gerade zu garnichts. Der Garten das Monster wächst, manchmal schaffe ich Raum, mähe Gräser und Stauden selten Blüten, wilde bastle Mythen Wahrheit. Begehren. Bedürftigkeit. Körperlichkeit alles. Im Zentrum die Düfte, würzig salziger Geschmack die Matrix. Motorrad fahren vereint Grasduft Benzinduft Brummgeräusche Schaukeln Beschleunigung Entschleunigung Adrenalin, Inlinern. Farben komponieren riechen vermischen Vielfalt genießen Fülle Vollkommenheit. Voll kommen. Zärtlich voll gestopft werden. Rhythmen Klänge Winde Sicherheit. Kleidung. Essen tut auch gut. Schwitzen Sonne Licht. Musenkuss mehr Ästhetik zu beschäftigt zu genießen manchmal nehme ich Beziehungen auf aber die Hölle ist nie allein. Im Spannungsfeld Gegensätze entstehen Impulse für Lebendiges Geistesblitze aus Genen. Derzeit finde ich Parasole im Ring auf Wiesen brate sie in Butter und Ei ein Biss. Ab und an ein Recard regard baisers tendresse wabern melancholische Saxophone regnet es leise und warm. Mit Dir ist Mopped fahren wie tanzen zu zweit dazwischen feuchtes Moos und der Geruch von Rinde Erde vorsichtig Kurven nass. Auto fahren Stunden die Tage bald wieder Strukturen Zeitfenster kompetent vermitteln egal was wichtig der Stil da kommt Freude auf nur kein Neid die alten die uralten wertvollen liebenden ausgewachsenen Engel leiten uns ins Dickicht. Kinder gedeihen auf Humus wie Champignons Ausgeschiedenem Abgefallenem von Barke zu Barke ein endloser Reigen relativieren Extreme Exkremente halten uns auf dem Erdboden mit ihrer Kraft langsam schmerzt es da der Herbst.

Samstag, 28. August 2010

Sonntag, 1. August 2010

Ein Gedanke: ich vermisse Dich jetzt schon...

War das jetzt gestern? Du und ich auf unserer Waldlichtung, im Moos?
Oder schon Monate, Jahre her?
Endlich wieder: deine unnachahmliche Härte spüren,
vollgestopft bis in die letzten Winkel und Falten, mit Dir!
Diese einzigartigen Momente, das Wesen von WIR.

Ich konstruiere meine WIRklichkeit, auf vielfältige Weise.
Meine Mitte, mein Drehpunkt war immer und ist immer:
die Möse.
Die Quelle des Lebens der Kinder, die Glückspforte der Liebhaber.
Meine Identität. Die Pandora-Büchse, in der sich alles vereint, was ich jemals tat, dachte, fühlte.

Glück ist, in die Augen jener zu schauen, die mich erfüllen.

Mittwoch, 28. Juli 2010

dann lebt Dein Herz

Vollmond das globale Ereignis

ich hab Dein Bild nicht verbrannt, denn ich hab keins
es hat mir gutgetan Dich 1:1 zu sehn
letztens
im Vollmond haben wir gevögelt, das ist
lange her, viel zu lange und
hey
ich vermisse Dich Dich Dich Dich
Deinen süßen Korianderduft
Deine Fülle in mir -
und der Mond sieht mich untergeh'n
allein

Montag, 26. Juli 2010

Heimat

Vielleicht lebt die Indianderin auf den lichten Höhen um den Reußenstein, schaut am Abend auf die Teck, lässt ihren Drachen am Albtrauf fliegen? Jedenfalls lebten Vorfahren in Wiesensteig, und wenn ich diese Landschaft besuche, fühle ich mich sicher und daheim. Höhlen, steile Felsen, Buchenwälder, Geborgenheit und Weite. Ich liebe sie, meine herbe Heimat.

Sie tritt ans Licht, in die freundliche Morgensonne, und strahlt.

Sonntag, 25. Juli 2010

Was Liebe ist

"Was jemand oder etwas ist, sagt Wagn*, wird von allem anderen definiert, das er oder es nicht ist. Dieses andere ist sein System, das Definierte selbst ist das Objekt, und diese System-Objekt-Beziehung gilt für physikalische Vorgänge ebenso wie für psychologische. Beim Objekt ICH wird das System von den Menschen gemacht, die es definieren: Die anderen machen mich zu dem, was ich bin, ohne ihre Definition wäre ich kein Individuum, denn ich hätte keine Eigenschaften und wäre von nichts und niemandem verschieden. Je weniger Menschen mich definieren, desto zuverlässiger wird die Definition, die man mir bietet, denn desto geringer ist die Gefahr, dass sie in sich wirdersprüchlich sein könnte. Das Glück, das ein Individuum durch genaues Definiertsein - durch seine freiwillige Unterwerfung unter fremde Maßstäbe - empfindet, nennt Wagn Lust an der Unfreiheit. Ihr Gegenteil wäre Existenzangst, die durch Definitionsmangel - durch Freiheit - entsteht. Der ideale Definitor ... wäre demnach ein einziger anderer, und am besten für die Rolle geeignet wäre zweifellos der Liebespartner. ... Derjenige, der mir am genauesten sagen kann, wie ich bin, als Mensch und als sexuelles Wesen, ist mein Geliebter. Das ist auch der Grund, weshalb Liebe glücklicher - und unglücklicher - machen kann als alles andere.
... Verlässt mich mein Geliebter, so entseht ein unmittelbarer, akuter Definitionsmangel, ein Zustand totaler Freiheit, auf den ich - wenn es eine wirklich große Liebe war, eine absolute Definition von Geist und Körper - nur mit Apathie, Verzweiflung, Wahnsinn, Selbstmord - mit Existenzangst reagieren kann. Der oft belächelte Liebeskummer ist wohl das größte Unglück, das einem Menschen zustoßen kann: Es ist das intensivste Freiheitserlebnis, das die Welt zu bieten hat."

*Klaus Wagn: Was Zeit ist und was nicht. München 1975
aus: Esther Vilar, das polygame Geschlecht

Samstag, 17. Juli 2010

gehen zusammen ins Wasser

hey Kumpel ... als ich Dein Auto stehen sehe, pocht mir das Blut, höher wie immer, wenn du mir in der Nähe bist. Wir ziehen uns an wie voller Magie, immer. Ich folge dem lauten Schlag Deiner Adern und finde Dich, bald, am Ufer. Die Blicke treffen sich, mitten ins Herz. Setze mich neben Dich auf den Stein, ins noch Heiße, unter die Abendsonne. Tauschen wir Wortfetzen aus wie immer, und jeder ein mögliches Wesen für sich. Fühlen wir Anmut, Leidenschaft, fühlen Verlangen. Liebe verbrennt uns die Haut, viel, viel zu intensiv ihr zu folgen. Noch, nicht. Gehen zusammen ins Wasser, lachen vertraut.